Jeden Dienstag, kurz vor acht, treffen sich stets mit Bedacht wohlbekannte Sangesbrüder, um zu proben frohe Lieder. Doch bevor man will beginnen, durch die Kehlen muss es rinnen. Ein kühles Bier im Brauhaus stemmen, um das Stimmband zu entklemmen. In der Probe also dann, zeigt ein jeder Sänger, was er kann. Piano, Forte, ohne Qual, schallt es aus dem Probensaal. Unser Herr Köller als Chordirigent, den - hochgeachtet - wohl jeder kennt, waltet dort als Liederbote und führt uns hin zur richt'gen Note. Erst, wenn er zufrieden ist, sei Erfolg uns dann gewiss. Auch der Fred hat seine Plag, dass ja ein jeder kommen mag. So zum Schluss er zu uns spricht: "Freunde denkt an eure Pflicht! Alle Mühe ist es wert, bald schon kommt ein neu' Konzert." Nach der Probe, um halb Zehn, wir noch nicht nach Hause gehen. Wir sitzen dann in froher Runde, um zu hören neue Kunde, trinken unser Bier vom Fass und haben oft noch sehr viel Spaß! Des Chorleiters Leid ----------------------------- Heut´gibt es was für unser Ohr, heut abend singt der Männerchor „Fidele Jungs der feuchten Kehle“, da freut sich Ohr, freut sich die Seele! Die Show beginnt, leicht motiviert der Chor still in die Runde stiert. Der Chorleiter hebt seine Hände, beginnt die Arme sanft zu schwingen: Nun fangt doch endlich an zu singen!! Endlich der Einsatz der Tenör´; ein Schmerz ergreifet das Gehör! Der Chorleiter wird leichenblaß, verdammt, wo bleibt er denn, der Baß?? Der Einsatz kam - doch viel zu spät! Der Chorleiter spricht ein Gebet. Und nun sind auch noch die Halunken ´nen ganzen Ton herabgesunken! Was nützen da Gesten, Zeichen und Schauen, die Jungs haben furchtbar danebengehauen! Der Chorleiter vernimmt benommen, irgendwie sind sie angekommen! Zu singen brauchen sie nicht mehr. Schaut in den Saal, d e n n d e r i s t l e e r !! (Günter Biehl)
| | Das Männer-Quartett 1881 Neunzig Herren, manche fünfzig Sitzen um den Tisches Rund. Und sie essen und sie trinken Und sie wischen sich den Mund. Da! Der Vorstand schwingt die Glocke, und es wird ganz mäuschen still, denn die Glocke ist das Zeichen, dass er etwas sagen will. Und als er genug geklingelt- Ja, das klingeln macht ihm Spaß - Steht er auf und spricht gewichtig: Na, ich denk, wir singen was! Unser Dirigent sucht emsig, wo die Stimmgabel wohl steckt--- in der hinteren Hosentasche hat er endlich sie entdeckt. Und er führt zu Ohr die Gabel Und macht -aaaaah -, das ist der Ton, den man nötig für den Einsatz hat; doch, horch, sie singen schon! Und sie singen viel von Liebe Und von Sehnsucht und vom Mai, und elf Verse hat dies Liedel, und dann geht auch das vorbei. Müde von der Armbewegung Senkt der Dirigent den Stab, müde von den tiefen Tönen, wischt der Bass den Schweiß sich ab. Der Tenor erzählt begeistert, wie ihm heut' das "fis" gelang, und der 1 Bass, sich räuspernd, sagt: "wie gut ich heute sang!" Doch dann sitzen alle neunzig Wieder um des Tisches Rund Und sie essen und sie trinken Und sie wischen sich den Mund..... |